12.10.2015
Landesweites Vernetzungstreffen der Bürgerbusse Rheinland-Pfalz in Wörrstadt

Rund 100 Gäste kamen mit 20 Fahrzeugen am 10. Oktober 2015 zum ersten landesweiten Vernetzungstreffen für Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz in die Neubornhalle nach Wörrstadt. Zur Begrüßung posieren sie für den Fotografen. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz Zum ersten landesweiten Vernetzungstreffen für Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz waren rund 100 Aktive mit 20 Fahrzeugen zu Gast in der Neubornhalle in Wörrstadt. Ziel des Treffens war der inhaltliche Austausch der einzelnen Bürgerbusgruppen. Mit dabei war der älteste Bürgerbus aus Freinsheim, der seit dem 15. Juli 1996 zuverlässig Fahrgäste in der Verbandsgemeinde transportiert. Das jüngste Projekt war ebenfalls vor Ort: Der Fahrdienst der Verbandsgemeinde Baumholder ist am 6. Oktober 2015 erfolgreich gestartet.

In Rheinland-Pfalz gewann das Thema Bürgerbusse seit dem Jahr 2010 an Dynamik. Damals startete das landesweite Beratungsprojekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz. "Wir hatten seinerzeit zehn Bürgerbusse, heute sind wir bei 40", erklärt Dr. Lothar Kaufmann in seiner Rede. Als Leiter der Verkehrsabteilung im Innenministerium begrüßte Kaufmann die Gäste auch im Namen von Staatsminister Roger Lewentz und Staatssekretär Günter Kern. Das Land fördert den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). "Die Ergänzung mit selbst organisierten und ehrenamtlich betriebenen Bürgerbussen auf der Ortsebene wird von uns aktiv gefördert und unterstützt", so Kaufmann in seinen einführenden Worten weiter.

Als Moderator begrüßt Dr. Holger Jansen, Projekleiter des Projekts Bürgerbusse Rheinland-Pfalz (2. v. l.) gemeinsam mit Ralph Hintz (li.), dem Beauftragten der Verbandsgemeinde Langenlonsheim für den Bürgerbus, Michael Schué, Referent im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur (3. v. l.) und Jürgen Wichter (re.), dem Leiter für den Neubornbus, dem Bürgerbus in der Stadt Wörrstadt mit dem Stadtteil Rommersheim. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz In drei Arbeitsgruppen konnten sich die Besucher anschließend über Fahrzeuge, den Fahrdienst und den Telefondienst informieren. Bei den Fahrzeugen stieß das elektrische Bürgerauto aus Birkenfeld auf reges Interesse. Seit Mai 2014 wird mit dem elektrischen Auto in der Verbandsgemeinde Birkenfeld die Mobilität der Menschen verbessert. Andere Fahrzeuge haben eine mechanische oder elektrische ausfahrbare Trittstufe. Manche haben ein höheres Dach, nicht alle nutzen die zulässige Sitzplatzzahl von acht Fahrgastplätzen aus. Alle Bürgerbusse werden von der lokalen Wirtschaft mit Fahrzeugwerbung unterstützt. Einzelne Projekte nutzen einen Maxi-Pkw, verbreitet ist jedoch der Kleinbus mit maximal acht Sitzplätzen plus Fahrersitz. Auch hier gilt: Das Fahrzeug wird für den Bedarf vor Ort beschafft. Und dieser kann unterschiedlich aussehen.

Die Gruppe Fahrdienst wurde von Jürgen Wichter moderiert. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz Intensive Diskussionen gab es in der Arbeitsgruppe Fahrdienst. Unter Leitung von Jürgen Wichter vom Neubornbus aus Wörrstadt wurden die unterschiedlichen Aspekte beraten. Jeder Fahrer trägt Verantwortung für den Erfolg des Gesamtprojekts. Deshalb ist eine enge Abstimmung in der gesamten Bürgerbusgruppe besonders wichtig. Auch Fragen rund um die Versicherung diskutierte die Gruppe. Hier unterscheiden sich die Modelle in Rheinland-Pfalz. Ein Bürgerbus in Trägerschaft von Verbandsgemeinden unterscheidet sich von dem Modell mit einem Trägerverein. "Ein Verein sollte unbedingt als wichtigste Risiken Unfall und Haftpflicht versichern", betont Dr. Holger Jansen vom landesweiten Bürgerbusprojekt. Bei der Verbandsgemeinde als Träger werden die Bürgerbusaktiven ähnlich behandelt wie Kommunalpolitiker oder Feuerwehrleute. Die Fahrzeugversicherung ist bei beiden Modellen extra zu betrachten. Doch auch das sei gesagt: Abgesehen von der ein oder anderen kleinen Beule gab es mit den Bürgerbussen in Rheinland-Pfalz noch keine Unfälle.

Die Gruppe Telefondienst wurde von Ralph Hintz moderiert. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz Wie gehen wir beim Telefondienst vor – die Gruppe unter Leitung von Ralph Hintz, dem Beauftragten für den Bürgerbus der Verbandsgemeinde Langenlonsheim, diskutierte Fragen zu Bürgerbussen, die von Kunden am Vortag bestellt werden. Das betrifft nicht alle Projekte in Rheinland-Pfalz, denn einige fahren auf festen Linien. Mit dem Anrufmodell werden auch Fahrgäste erreicht, für die der Weg zur regulären Haltestelle schon zu weit ist. "Wie lange im Voraus nehmen wir eine Fahrt an?", war eine Frage. Oder: "Welche EDV nutzen andere Projekte – und wie vernetzten sich Telefonteam und Fahrer?" Einige Bürgerbusse haben einen Raum in der Verbandsgemeinde, um dort Anrufe aufzunehmen und den Fahrplan für den Folgetag zu erstellen. Andere arbeiten von zuhause aus und leiten die Telefonanrufe weiter. In der Verbandsgemeinde Bodenheim wird die Fahrplanung mit einer Datenbank unterstützt. Insgesamt gilt: Jeder Bürgerbus hat seinen eigenen Weg gefunden. Aus den verschiedenen Optionen kann die passende Lösung entwickelt werden.

Mit dabei in Wörrstadt war der älteste Bürgerbus des Landes aus Freinsheim, im Bild rechts. Er transportiert seit Juli 1996 zuverlässig Fahrgäste in der Verbandsgemeinde Freinsheim. Links daneben steht der am 6. Oktober 2015 in der Verbandsgemeinde Baumholder gestartete Bürgerbus. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz Mit dem landesweiten Beratungsprojekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz unterstützt das Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur Orts- und Verbandsgemeinden sowie lokale Gruppen mit Interesse an Bürgerbussen. Wichtiges Ziel ist der Austausch von Erfahrungen und die Weiterentwicklung des erfolgreichen Wegs für Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz. Wunsch der Gäste war es, die Diskussionen auf Landesebene weiter zu führen. Es ist angedacht, dass sich die lokalen Koordinatoren zukünftig einmal jährlich treffen, um sich zu bestimmten Themen auszutauschen. Die gemeinsamen Erkenntnisse sollen dann auf der Homepage www.buergerbus-rlp.de veröffentlicht und aktualisiert werden. Dabei sind Unterschiede zwischen Land- und Stadtbedienung zu berücksichtigen.

Die Bürgerbusbewegung wird nach Einschätzung eines Besuchers noch stärker werden. Ein guter Beleg für diese Auffassung sind die beiden neuen Bürgerbusse der gastgebenden Stadt. Im Juli starteten der Neubornbus und "VG Busje". Sie bedienen Stadt und Verbandsgemeinde Wörrstadt und wurden von Beginn an vom Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz beraten und unterstützt. Dank geht an beide Bürgerbusprojekte und die Stadt Wörrstadt, die das landesweite Treffen umfassend unterstützt haben.

Rund 100 Gäste kamen mit 20 Fahrzeugen am 10. Oktober 2015 zum ersten landesweiten Vernetzungstreffen für Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz in die Neubornhalle nach Wörrstadt. Foto: Alexander Sell/Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz